CSU-Ortsverband informiert zur Sicherheit bei Großveranstaltungen
Ob Faschingsumzug oder Georgiritt - angesichts der Terroranschläge in den letzten Monaten beschleicht manchen Bürger ein mulmiges Gefühl beim Gedanken an Großveranstaltungen. Doch die Stadt Traunstein sorgt bestmöglich für die Sicherheit der Besucher. Darüber informierte in einem spannenden Vortrag Stadtbrandinspektor Christian Schulz bei der Veranstaltung „60 Minuten Stadtpolitik“ des CSU-Ortsverbands.
In seinen einleitenden Worten ging Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer auf die vielen Ereignisse ein, auf die die Traunsteiner sich in diesem Jahr noch freuen können - vom Georgiritt über die Einweihung des Maxplatzes und die Feiern zum Stadtjubiläum bis hin zum Gautrachtenfest, um nur einige zu nennen. Doch immer wieder werde er von besorgten Bürgern gefragt, ob er nicht Veranstaltungen absagen wolle. Hümmers Antwort ist ein klares Nein. Es werde alles getan für die Sicherheit, was möglich ist, doch eine 100-prozentige Gewährleistung gebe es nicht. „Aber wir sind nicht bereit, deshalb unsere Freiheit, unser Brauchtum, unser gesellschaftliches Zusammenleben aufzugeben“, so Hümmer, „wir kapitulieren nicht vor diesen ‚Wahnsinnigen‘.“
Das Homeoffice hat die Lage verschärft
Auch Stadtbrandinspektor Christian Schulz betonte in seinem Vortrag, dass immer ein Restrisiko bleibe. Das Bestreben der Stadt sei es, ein Maximum an Sicherheit zu gewährleisten, dies geschehe in Abstimmung mit dem jeweiligen Veranstalter, der einen möglichst großen Gewinn erzielen wolle. Dabei ist, so Schulz, die Bedrohungslage insofern schwieriger geworden, als heutzutage vermehrt alltägliche Gegenstände wie Messer und Fahrzeuge zur Schädigung von Personen eingesetzt werden. Diese sind leicht verfügbar, schwer erkennbar und sehr schnell wirksam - wodurch sich die Vorwarnzeit für die Teilnehmer einer Veranstaltung enorm verkürzt. Dazu kommt, dass die Verursacher häufig „normale Bürger“ mit verschiedenen Hintergründen sind. „Eine psychische Ausnahmesituation ist im Vorfeld oft gar nicht erkennbar“, so Schulz. Und: „Verstärkt wird dies durch das Homeoffice, da dadurch die persönliche Bindung im Kollegenkreis fehlt.“ Erschwerend kommt die hohe Medienpräsenz dazu. Dadurch kann der Schadenverursacher seine Ziele schnell erreichen: eine Verunsicherung der Bevölkerung, die Einschränkung des täglichen Lebens oder die Destabilisierung von demokratischen Werten.
Zu unterscheiden sind dabei direkte Schäden durch Messer, Schusswaffen, Fahrzeuge etc. und indirekte Schäden durch Panik oder die Belastung der Regelversorgung in Kliniken. Bei Letzterem habe sich, so Schulz, die Situation in letzter Zeit durch Schließungen von Krankenhäusern deutlich verschlechtert. In Traunstein selbst kann nur eine begrenzte Anzahl von Schwerverletzten behandelt werden, bei Großschadensereignissen müssten weitere Transportwege zurückgelegt werden, wobei es zumindest hilfreich ist, dass ein Hubschrauber in Traunstein stationiert ist.
Doch welche Maßnahmen können zum Schutz der Bevölkerung ergriffen werden? Ganz wichtig ist es, im Vorfeld die Fluchtmöglichkeiten zu prüfen und zu sichern. Dabei sollen die Fluchtwegbreiten gewährleisten, dass alle Anwesenden den Platz des Schadensereignisses innerhalb von 8 Minuten verlassen können. Darüber hinaus muss es klare Regeln geben, wann eine Veranstaltung, z.B. bei einem Unwetterereignis, abgebrochen und wie dies dann kommuniziert wird. Eine weitere Maßnahme ist die Reduzierung des Verkehrs. So verhindert die Sperrung von „Hochgeschwindigkeitsstrecken“, dass Pkws oder Lkws stark beschleunigen können. Zudem werden mobile Straßensperren aufgestellt, beispielsweise Fahrzeuge vom Bauhof oder Feuerwehrautos - wobei hier immer noch genügend Fahrzeuge für den Grundschutz einsatzbereit bleiben.
Die Stadt fungiert oft selbst als Veranstalter
Grundsätzlich verantwortlich für die Sicherheit von Teilnehmern, Besuchern und Mitarbeitern ist der Veranstalter. In Traunstein fungiert oftmals die Stadt als Veranstalter, auch wenn die Veranstaltung selbst von anderen - beispielsweise dem Georgiverein oder den Faschingsvereinen - durchgeführt wird. Ehrenamtliche Helfer spielen dabei eine große Rolle: Die Feuerwehr oder auch das BRK springen häufig ein, wenn die Polizei personell an ihre Grenzen kommt, auch Sicherheitsdienste leisten einen wertvollen Beitrag. Doch wie funktioniert das konkret? Im Vorfeld einer Veranstaltung gibt es gemeinsame Gespräche mit allen Beteiligten, anschließend wird ein Sicherheitskonzept erstellt. Das alles ist mit erheblichem Aufwand verbunden - so berichtete Schulz, dass er selbst bereits 100 Stunden gemeinsam mit dem Veranstalter am Sicherheitskonzept für das Gautrachtenfest gearbeitet habe. Nachdem das jeweilige Sicherheitskonzept von der Stadt genehmigt wurde, wird mit den ehrenamtlichen Hilfsorganisationen ein Einsatzkonzept erstellt. Die gemeinsame Einsatzleitung erfolgt vom Maxplatz aus, beteiligt sind der Veranstalter, die Polizei, das BRK und die Feuerwehr. Im Nachgang einer Veranstaltung erfolgt dann eine Nachbesprechung, bei der auch Drohnenaufnahmen herangezogen werden. „Für die Ehrenamtlichen ist das Ganze durchaus auch belastend“, betonte Schulz. Denn man müsse sich mit Szenarien auseinandersetzen, die man auf keinen Fall haben will. Zudem werden Ehrenamtliche immer wieder beleidigt, bedroht und körperlich angegriffen.
Überhaupt verlasse sich unsere Gesellschaft viel zu sehr auf andere, stellte Schulz abschließend fest. Um das zu ändern, sei es wichtig, bereits Kindern beizubringen, wie man sich selbst und anderen helfen kann. Daher sein Wunsch: „Ich hoffe, dass Traunstein weiterhin Geld in die Hand nimmt, damit Kinder entsprechend in Erster Hilfe geschult werden können.“
Haben die Sicherheit der Traunsteiner im Blick: Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (rechts) und Stadtbrandinspektor Christian Schulz.